Ökologisch-Soziales Modellprojekt

Ökologisch-Soziales Modellprojekt

Daten
Standort:Behnitzer Weg 12, 14641 Berge
Baubeginn: November 1993
Grundstück: 50400 m²
  • Niedrigenergiehäuser
  • Verwendung ökologischer Baustoffe
  • Modellprojekt für ökologisch-soziales Bauen
  • Mit dem Umweltpreis Brandenburg 2002 ausgezeichnet  
  • Regenwassernutzung
  • Pflanzenkläranlage
  • Windrad zur eigenen Stromerzeugung
  • Optimale Nutzung des natürlichen Lichtes
  • Dachbegrünung
  • Passive Sonnenenergienutzung
  • Verwendung unterschiedlicher Dämmstoffe an baugleichen Gebäuden zum Vergleich
  • Minimaler Heizenergieverbrauch
Konzept

Der Jugendhof

Der 1992 gegründete Jugendhof Brandenburg ist ein sozial-ökologisches Projekt mit ganzheilichem Konzept, in dem pädagogische Arbeit, Umweltschutz und ökologisches Bauen integriert werden. Für die beispielhafte Umsetzung dieses Konzeptes erhielt der Jugendhof den Umweltpreis 2002 des Landes Brandenburg. In dem Modellprojekt des Landes Brandenburg findet eine bereichsübergreifende und ganztägige Betreuung schwerst verhaltensauffälliger und psychisch kranker junger Menschen statt. Die sozialpädagogische und therapeutische Arbeit des Jugendhof hat zum Ziel, die Betreuten so zu fördern, dass bei ihnen die Voraussetzungen für eine gesellschaftliche Integration und für ein selbstbestimmtes, eigenverantwortliches und möglichst autarkes Leben geschaffen werden. Die Bewohner des Jugendhofes leben in drei Wohngruppenhäusern in therapeutisch begleiteten Wohngruppen. Durch diese familienähnlichen Strukturen mit jeweils max. 6 Bewohnern wird den Jugendlichen ein überschaubares, verlässliches Umfeld geboten. Für jede Wohngruppe sind jeweils 2 BetreuerInnen die festen Bezugspersonen.
Jede Wohngruppe hat ein eigenes Haus mit Küche, zwei Bädern, Waschmaschine etc. Es gibt jeweils einen Gemeinschaftsraum, in dem sich ein Kaminofen und ein Fernseher befinden. Alle Bewohner haben ein eigenes, großes Zimmer (18 m²) und die Möglichkeit, dieses nach eigenem Wunsch zu gestalten. Die Wohngruppen erledigen alle anfallenden hauswirtschaftlichen und gärtnerischen Tätigkeiten mit Unterstützung der Betreuungsperson selber. Auch die Versorgung mit Lebens- und Sachmitteln geschieht in eigener Verantwortung, wobei den Wohngruppen ein monatlicher Wirtschaftsetat zur Verfügung steht.
Für junge Erwachsene, die schon in ausreichendem Maße eigenverantwortlich handeln, gibt es die Möglichkeit des betreuten Einzelwohnens in einem kleinen Apartmenthaus auf dem Gelände des Jugendhofes.
Alle Bewohner befinden sich in Ausbildung oder Berufsvorbereitung auf dem Jugendhof oder extern. Eine Einzel- oder Kleingruppenbeschulung direkt auf dem Jugendhof ist möglich. Die auf dem Hof Beschäftigten jungen Erwachsenen arbeiten in den Bereichen Landwirtschaft, Baugewerke oder der Naturholz gGmbH.
Neben der sozialen Hauptaufgabe hat der Jugendhof den Umweltschutz zu seinem Leitmotiv gemacht. Schon die Planungen berücksichtigten ökologische Kriterien. Alle Gebäude sind nach Süden ausgerichtet und haben begrünte Dächer. Die Gebäude erfüllen Niedrigenergie-Standard. Bei der Wahl der Baustoffe wurde auf die Verwendung regionaler Baustoffe geachtet. Das Abwasser wird über eine selbst gebaute Pflanzenkläranlage entsorgt. Die Energieversorgung erfolgt mittels einem Windkraftdrad und Sonnenkollektoren sowie einer Restholzheizung weitgehend autark.

Landwirtschaft

Auf dem Jugendhof wird Landwirtschaft nach Bioland-Richtlinien betrieben. Von den insgesamt über 50 ha Fläche stehen ca. 37 ha landwirtschaftlichen Zwecken zur Verfügung. Angebaut werden Obst, Gemüse, Kartoffeln und Getreide. Auf dem Hof leben Pferde (die auch dem heiltherapeutischen Reiten dienen), Kühe, Ziegen, Schafe, Hühner, Enten, Kaninchen, Katzen und Hunde. Außerdem wird hier eine besondere Landschweinrasse gezüchtet. Die Produkte werden in der hofeigenen Vollwertküche, Bäckerei und Käserei weiterverarbeitet. Die Erzeugnisse dienen vorrangig der Selbstversorgung, werden aber auch im hofeigenen Laden verkauft.

Die Naturholz gGmbH

In der Naturholz gGmbH gibt es derzeit sechs geschützte Arbeitsplätze, in denen die jungen Erwachsenen beschäftigt werden bzw. eine Ausbildung erhalten und zwei Arbeitsplätze für die Berufsbetreuer. Die Naturholz gGmbH übernimmt Pflegearbeiten in Wäldern und Landschaftsschutzgebieten, Durchforstungen, Anpflanzungen, Zaunauf- und Abbau, die Unterhaltung von Wegen und Feuerschutzstreifen sowie Erntearbeiten in der Landwirtschaft. Die Naturholz gGmbH betreibt ein kleines, mobiles Sägewerk und stellt leichtes Bauholz sowie Zäune her. Bei den Arbeiten werden Kaltblutpferde vom Jugendhof sowie Windkraftstrom aus der eigenen Windkraftanlage eingesetzt.

Die Umweltbildungsstätte

Der Jugendhof Brandenburg ist sehr bemüht um Außenkontakte und deshalb gern Gastgeber für andere Jugendgruppen. In der Umweltbildungsstätte des Jugendhof finden regelmäßig Veranstaltungen zum ökologischen Landbau, zur gesunden Ernährung, zur Umwelttechnik und Ökobau und zum Landschafts und Naturschutz statt. Außerdem gibt es jährliche internationale Sommerlager. Das Angebot richtet sich an Kinder, Schüler und junge Menschen, die auf dem Jugendhof in Zelten übernachten können. Der größte Teil der Besucher sind Schulklassen aus Brandenburg und Berlin, die den Jugendhof als Ziel von Klassenfahrten, Tagesausflügen oder Ort von Umweltprojekten wählen. Die Umweltbildungsstätte umfaßt das Seminarhaus mit Filmraum, Lehrbäckerei und Lehrkäserei sowie Sozialräumen mit Ökodusche und Zeltplatz, die Umweltkundestation Bernitzow, einen Wald- und Flurlehrpfad, einen Kräutergarten sowie einen Streichelzoo.

Demonstrationsvorhaben Jugendhof

Die beim Bau des Jugendhofes erprobten neuen Techniken der Energieversorgung und des ökologisch orientierten Bauens dienen auch der Demonstration und der Vermittlung der damit verbundenen Erfahrungen an die Seminarteilnehmer und Besucher. In diesem Zusammenhang lassen sich die Randbedingungen, ökonomische und ökologische Aspekte sowie Einsatzgrenzen vermitteln und die Nachfrage nach solchen Techniken stärken.

Eigenleistung

Die Wohngruppenhäuser wurden zusammen mit den Bewohnern des Jugendhof Brandenburg errichtet, um die Identifikationsmöglichkeit der Jugendlichen mit "ihrem" Gebäude zu erhöhen.

Energiekonzept

Alle Gebäude orientieren sich mit großen Fenstern zur Sonne, speichern in massiven Innenwänden die Wärme und besitzen hochdämmende Außenwände und Dächer. Alle Gebäude bestehen ausschließlich aus umweltfreundlichen Baustoffen.
Die Atlantis gGmbH erarbeitete für den Jugendhof ein Energiekonzept, das neben dem Einsatz eines zentralen Blockheizkraftwerkes auch die Eigenproduktion des Energieträgers Gas mittels eines Bioreaktors auf Güllebasis vorsah, der aber nicht realisiert wurde. Statt dessen verringern Solarkollektoren auf den einzelnen Gebäuden den Einsatz fossiler Energieträger. Die benötigte Wärme wird mit Gas und in der Holzwerkstatt mit Holz erzeugt und über das eigene Nahwärmenetz verteilt. Der Jugendhof errichtete 1995 eine Windkraftanlage, erzeugt damit einen Teil seines eigenen Stromes und speist die Überschüsse ins Stromnetz der MEVAG, die auch die Erstellung des Energiegutachtens finanziell unterstützte. Die Hauptstromversorgung erfolgt über das Seminargebäude.